Forum Nachhaltige Geldanlagen zur Veröffentlichung der Sustainable Finance Strategie der Bundesregierung

Pressemitteilung des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) – 6. Mai 2021

Mit FNG-Geschäftsführerin Angela McClellan und FNG-Vorstand Dr. Helge Wulsdorf von der Bank für Kirche und Caritas sowie weiteren FNG-Mitgliedern wirkte das FNG im Sustainable Finance-Beirat mit, der im Februar seinen Abschlussbericht mit 31 Empfehlungen an die Bundesregierung vorstellte. Nun hat die Bundesregierung die Deutsche Sustainable Finance Strategie veröffentlicht, welche den Großteil der empfohlenen Maßnahmen des Beirats aufgreift, in manchen Bereichen wie dem wichtigen Themenfeld der Qualifikation jedoch vage bleibt. Das FNG wird seine 20jährige Expertise zu Nachhaltigen Geldanlagen weiterhin dafür einsetzen, auf eine konsequente Umsetzung der Maßnahmen zu drängen, um Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort zu machen. Im Rahmen der Umsetzung der Maßnahmen sollte die Bundesregierung weiterhin auf ein beratendes Gremium wie den Sustainable-Finance-Beirat setzen.

Maßnahmen zur Qualifikation im Nachhaltigkeitsbereich

FNG-Geschäftsführerin Angela McClellan ist im Sustainable-Finance-Beirat Vorsitzende der Arbeitsgruppe zu Qualifikation und Leadership. Das FNG begrüßt, dass die Bundesregierung Nachhaltigkeitsinhalte in die Sachkundeprüfung, Weiterbildungsverpflichtungen sowie Aus- und Fortbildungen integrieren will. Hierbei sollte im Zuge der Umsetzung von MiFID II ein Mindestumfang jährlicher Pflichtschulungen zu Nachhaltigkeitsthemen für Finanz- und Versicherungsberater festgelegt werden.

Darüber hinaus greift die Deutsche Sustainable Finance-Strategie zwar das Thema der Bereitstellung von kompakten Informationen zu ESG-Bewertungskriterien für Anleger:innen auf, geht aber nicht so weit, die vom Beirat vorgeschlagene breite Bildungsoffensive zu Sustainable-Financial-Literacy unter Beteiligung von Bildungsträgern, Berufsakademien und zivilgesellschaftlichen Organisationen voranzubringen. Dies ist bedauerlich, denn mit dem steigenden Interesse der Privatanleger:innen an Nachhaltigen Geldanlagen geht ein Qualifizierungs- und Informationsbedarf nicht nur auf Seiten der Finanzberater:innen, sondern auch auf Seiten der Privatanleger:innen einher, mit dem eine qualitativ hochwertige Beratung zu Nachhaltigen Geldanlagen gewährleistet werden soll.

Enttäuschend ist außerdem, dass die Deutsche Sustainable Finance-Strategie keine Maßnahmen zur Qualifikation der Führungsebene der Finanz- und Realwirtschaft zu Nachhaltigkeitsthemen enthält. Nachhaltigkeitskompetenzen sind nicht nur für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens, sondern auch für die Umsetzung der EU-Regularien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung wesentlich. Der Beirat hatte hier eine Verankerung von Mindeststandards für die Nachhaltigkeitskompetenzen von Unternehmensverantwortlichen in Geschäftsleitungen, Aufsichtsräten und Schlüsselgremien, die konform mit dem zukünftigen EU-Rechtsrahmen zu Nachhaltigkeit in Unternehmen sind, im Deutschen Corporate Governance Kodex empfohlen.

Maßnahmen zur Transparenz von nachhaltigen Finanzprodukten

Positiv zu bewerten ist, dass die Bundesregierung die Empfehlung des Beirats aufgreift, Transparenz über den Beitrag aller Finanzprodukte zur globalen Entwicklungsagenda, den Sustainable Development Goals und den Pariser Klimazielen zu schaffen. Eine Nachhaltigkeitsampel soll zukünftig Anleger:innen dabei helfen, die Nachhaltigkeitswirkung von Finanzprodukten einzuschätzen. Hierfür müsste basierend auf der EU-Offenlegungsverordnung eine Taxonomie für alle Finanzprodukte geschaffen werden, die die Skala der Finanzprodukte von dunkelgrünen bis braunen Investments abbildet und so Greenwashing verhindert. Solch eine Ampel ist ein sehr hilfreiches Instrument für die weitere Marktdurchdringung nachhaltiger Investments.

In  einem Statement  der Wissenschaftsplattform  zur  Deutschen Sustainable-Finance-Strategie wird die Ampel als “sinnvolle Ergänzung zu existierenden Nachhaltigkeitslabels” bezeichnet.

“Die Deutsche Sustainable-Finance-Strategie setzt einen ambitionierten Rahmen für die Sustainable-Finance-Agenda in Deutschland. Das FNG wird sich mit seiner 20jährigen Expertise im Bereich nachhaltiger Geldanlagen für eine rigorose Umsetzung der Maßnahmen einsetzen. Mit dem Ziel einer zukunftsfähigen deutschen Wirtschaft ist jedoch das Fehlen der vom Beirat empfohlenen Maßnahmen zur Nachhaltigkeitsqualifikation von Aufsichtsräten, Vorständen und Geschäftsleitern kritisch zu sehen. Denn diese ist nicht nur für den zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg entscheidend, sondern auch für die Umsetzung der EU-Regelwerke zur Nachhaltigkeitsberichterstattung in Unternehmen.”

Angela McClellan, FNG-Geschäftsführerin

Hintergrund

Die Bundesregierung veröffentlichte gestern die Deutsche Sustainable Finance-Strategie mit fünf Zielen und 26 Maßnahmen, mit denen Deutschland zum führenden Sustainable Finance-Standort werden soll. Die Maßnahmen umfassen u.a. die Verknüpfung des Bundeshaushaltes mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, den Umbau der KfW zu einer Transformationsbank und die Umsetzung eines Nachhaltigkeitskonzepts für alle Anlagen des Bundes.

Der Sustainable-Finance-Beirat (SFB) macht in seinem Abschlussbericht Shifting the Trillions wegweisende Handlungsempfehlungen für einen verlässlichen Politikrahmen in Deutschland und der EU zu Sustainable Finance. Darunter fallen eine integrierte und zukunftsweisende Unternehmensberichterstattung, nachhaltigkeitswirksame Finanzprodukte sowie Forschung und systematischen Wissensaufbau mit Blick auf sich verändernde Kompetenzanforderungen bei Führungskräften in Aufsichtsbehörden, in der Finanz- und Realwirtschaft, in der Finanzberatung sowie der Öffentlichkeit.

Der Abschlussbericht des Sustainable-Finance-Beirats skizziert im Auftrag der Bundesregierung notwendige Schritte, damit Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort wird. Die Multi-Stakeholder-Kommissionwurde im Juni 2019 von der Bundesregierung einberufen.

Das FNG (Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V.), de Fachverband für Nachhaltige Geldanlagen in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz, repräsentiert über 200 Mitglieder, die sich für mehr Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft einsetzen und feiert 2021 sein 20jähriges Bestehen. Es verleiht das Transparenzlogo für nachhaltige Investmentfonds, gibt die FNG-Nachhaltigkeitsprofile und die FNG-Matrix heraus und hat das FNG-Siegel für nachhaltige Investmentfonds entwickelt. Das FNG ist außerdem Gründungsmitglied des europäischen Dachverbands Eurosif. www.forum-ng.org

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